Warnzeichen entschlüsselt: Wie man Geldwäsche erkennt.

Seit Ende der 1980er Jahre wird es als enorme Bedrohung für die Stabilität des Finanzsystems betrachtet: Geldwäsche. Was kann (besser) gemacht werden, um den globalen Handel mit schmutzigem Geld zu bekämpfen? 

1989 wurde die Financial Action Task Force (FATF) gegründet, um der aufkommenden Bedrohung durch  Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung entgegenzuwirken. 

Sie sollte dem Finanzsystem dringend benötigte Stabilität bieten. 

Mehr als 30 Jahre später sind die Gefahren des Handels mit schmutzigem Geld jedoch immer noch gewaltig. Tatsächlich werden laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNOV) jährlich bis zu 2 Billionen Dollar gewaschen. 

In einem Bericht vom Juni 2023 stellte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) fest, dass die Risiken von Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung noch immer nicht von EU-Zahlungsinstituten effektiv gehandhabt werden und unzureichende interne AML/CFT-Kontrollen festzustellen sind. Die Ergebnisse des Berichts zeigten, dass durch ineffektive Überwachung einiger Behörden, Zahlungsinstitute mit schwachen AML/CFT-Kontrollen immer noch in der EU tätig waren, indem sie eine Organisation in einem Mitgliedstaat mit laxen Genehmigungs- und AML/CFT-Prozessen gründeten. 

Geldwäsche führt zu unzuverlässigen Veränderungen der Geldnachfrage, zu großen Risiken für die Solidität einer Bank, beeinträchtigt die Rechtmäßigkeit von Finanztransaktionen und hat verheerende Auswirkungen auf Wechselkurse aufgrund unerwarteter grenzüberschreitender Vermögensübertragungen. 

Es stellt sich also die Frage, was kann noch getan werden, und wie können Sie Ihr Unternehmen und Ihre Kunden besser vor Geldwäsche schützen? Im Folgenden teilen wir einige der häufigsten Warnsignale im Zusammenhang mit Geldwäsche. 

Was ist Geldwäsche? 

Kurz gesagt, Geldwäsche bezieht sich auf den Akt, die Quelle unrechtmäßig erworbener Gelder zu verschleiern und sie in das legitime Finanzsystem einzuschleusen. Im Jahr 1988 definierte Artikel 3.1 des Wiener Übereinkommens der Vereinten Nationen Geldwäsche als: 

Die Umwandlung oder Übertragung von Vermögen, in dem Wissen, dass dieses Vermögen aus einer Straftat stammt, um die illegale Herkunft des Vermögens zu verbergen oder zu verschleiern oder eine Person, die an einer solchen Straftat beteiligt ist, zu helfen, die rechtlichen Konsequenzen seiner Handlungen zu umgehen. 

Wiener Übereinkommen der Vereinten Nationen, Artikel 3.1 (1988) 

Eine detailliertere Erklärung zur Funktionsweise von Geldwäsche finden Sie in unserem Blog „Erklärung der 3 Stufen von Geldwäsche (Englisch)„. 

Organisationen wehren sich. 

Da Geldwäsche von Natur aus grenzüberschreitend ist, wurden zahlreiche internationale Koalitionen entwickelt, um das Problem anzugehen. Zu den wichtigsten Gruppen, die sich auf die Bekämpfung von Geldwäsche und zugehörigen Straftaten konzentrieren, zählen die FATF, die Egmont Group (bestehend aus 166 Financial Intelligence Units [FIU]), Interpol, Europol und die UNODC. 

Es wurden auch verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen und Vorschriften geschaffen, um die Bemühungen zur Bekämpfung von Geldwäsche zu unterstützen. Zum Beispiel gab es in der Europäischen Union (EU) mehrere AML-Richtlinien (die neueste ist AMLD 6) mit Anforderungen, Instrumenten und Prozessen für EU-Länder, ihre jeweiligen Behörden sowie für „ausgewählte verpflichtete Stellen„. 

Ein Vorschlag, der Teil eines Gesetzgebungspakets zur Stärkung der europäischen AML/CFT-Regeln ist, legte auch den Grundstein für die Schaffung eines supranationalen Gremiums – der Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLA EU), die 2023 ins Leben gerufen und bis 2026 voll funktionsfähig sein soll. 

6 Warnsignale von Geldwäsche. 

  • Ungewöhnliche Transaktionsmuster: Unterschiedliche Transaktionsmuster können anzeigen, wann Geldwäsche stattfindet. Das schnelle Kommen und Gehen von Transaktionen, erhebliche Steigerungen in der Häufigkeit oder im Wert, strukturierte Schemata zur Aufschlüsselung von Einlagen sowie inkonsistente Transaktionen in Bezug auf die Aktivitäten des Kunden sollten aufhorchen lassen und auf verdächtige Aktivitäten hinweisen. 
  • Bargeldintensive Aktivitäten: Da Bargeld der Haupttreiber für Geldwäsche ist, sind bargeldbezogene Unternehmen die größten Ziele für Kriminelle. Sie bieten eine beispiellose Gelegenheit, Gelder mit sehr wenig Überwachung und relativ einfachen Möglichkeiten, von Kontrollen fernzuhalten und zu bewegen. Unternehmen mit einem hohen Volumen an Bargeldtransaktionen (wie Casinos, Restaurants oder Lebensmittelgeschäfte) oder ohne offensichtliche Rechtfertigung für Bargeldtransaktionen (Bauunternehmen und Dienstleister) können zur Geldwäsche beitragen. In den regulatorischen Rahmenbedingungen wurden wichtige Kontrollen eingeführt, um derartige Geldwäsche zu verhindern, wie beispielsweise Meldepflichten für Bargeldtransaktionen, Einlagen oder Abhebungen. 
  • Beziehungen zu Dritten: Die Suche nach dem wirtschaftlichen Eigentum von Unternehmen in Steueroasen ist ein schwieriger Kampf und wird dies auch bleiben, insbesondere in Ländern mit weniger klaren Vorschriften. Geldwäscher können Dritte einsetzen, um komplexe Transaktionsketten zu schaffen, an denen mehrere Konten oder Vermittler beteiligt sind, um die Spur und Quelle illegaler Gelder zu verschleiern. Einige Geldwäschesysteme nutzen auch komplexe internationale Besitzstrukturen und setzen Firmenmäntel oder Offshore-Gesellschaften mit Treuhändern ein, um das wirtschaftliche Eigentum zu verschleiern. Transaktionen von politisch exponierten Personen müssen auch bei der Suche nach Anzeichen von Geldwäsche berücksichtigt werden. 
  • Bestimmte geografische Regionen: Einige Länder sind aufgrund schwacher Regulierungssysteme und schlechter staatlicher Aufsicht stärker Korruption, organisierter Kriminalität und Geldwäsche ausgesetzt als andere. Bei der Überwachung von Transaktionen können Geolocation-Daten ein Indikator für verdächtige Aktivitäten sein. Zur Unterstützung der Transaktionsanalyse sind der Basel AML Index und der Corruption Perception Index immer hilfreich, um globale Geldwäscherisiken pro Land einzuschätzen. 
  • Schwache Finanzsysteme: Den wunden Punkt zu finden, ist das Motto für Geldwäscher. Ob es sich um Korruption, mangelnde ordnungsgemäße KYC/AML-Implementierung oder einfach nur um einen schwachen regulatorischen Rahmen handelt, einige Finanzsysteme machen es leichter als andere, Geld zu waschen. Besonders unzureichende Due-Diligence-Prozesse oder laxe interne Kontrollen innerhalb eines Finanzinstituts sind besonders für Menschen interessant, die die Quelle ihres Vermögens verbergen möchten. 
  • Technologiegestützte Geldwäsche: Digitalisierung und technologische Entwicklungen vereinfachen Geldwäsche und eröffnen unzählige Möglichkeiten. Die Entstehung von Kryptowährungen und virtuellen Assets schafft ein weiteres Maß der Anonymität, die zusätzlich zu dezentralen oder Peer-to-Peer-Börsen genutzt werden kann. Zum Beispiel könnten Gelder, die über ein Konto laufen und sofort in Krypto umgewandelt werden, als verdächtig markiert werden.  

Lesen Sie mehr über die Notwendigkeit der Einhaltung und Regulierung von Kryptowährungen in unserem Blog „Wie Kriminelle nonkonforme Krypto-Börsen für Geldwäsche nutzen“ (Englisch). 
  
Darknet-Marktplätze erleichtern ebenfalls illegale Transaktionen und bieten Mittel, um fiktive Identitäten zu erwerben. Darknet-Besucher können ihre Identität oder ihren Standort dank bestimmter Protokolle, VPNs oder Proxyserver verbergen. 

AML-Maßnahmen und Abschreckungsmechanismen. 

Robuste AML-Maßnahmen sind unerlässlich, um Geldwäsche effektiv abzuschrecken. Länder mit starken AML-Regulierungen verhängen mittlerweile Bußgelder und Sanktionen gegen Organisationen, die keine effektiven AML-Programme nachweisen können. Beispielsweise kann die französische Autorité de Contrôle Prudentiel et de Résolution (Französische Aufsichts- und Abwicklungsbehörde, ACPR), die für die Überwachung der Tätigkeit von Banken und Versicherungen zuständig ist, Geldstrafen von bis zu 100 Millionen Euro oder 10 % des Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängen. Im Jahr 2020 hat die britische Financial Conduct Authority (FCA) die Londoner Niederlassung der deutschen Commerzbank mit einer Geldstrafe von 37 Millionen Pfund belegt, weil zwischen Oktober 2012 und September 2017 keine angemessenen Systeme und Kontrollen zur Bekämpfung der Geldwäsche (AML) eingeführt wurden. 

Um konform zu bleiben und zu vermeiden, von Behörden sanktioniert zu werden, Ihren Ruf zu schädigen und Geldstrafen aufgebrummt zu bekommen, kann Ihnen die Verbesserung dieser drei Pfeiler drastisch helfen: 

  • KYC-Prozesse: Die Implementierung gründlicher KYC-Verfahren ist für Finanzinstitute von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört die Überprüfung der Identität der Kunden, das Verständnis ihrer Geschäftsaktivitäten und die Bewertung der Rechtmäßigkeit der an Transaktionen beteiligten Gelder. Für Kunden mit höherem Risiko, wie PEPs oder vermögende Privatpersonen, können erweiterte Due-Diligence-Maßnahmen angewendet werden. KYC-Verpflichtungen sind jetzt weitgehend durch nationale oder supranationale Vorschriften wie EU-Geldwäscherichtlinien geregelt. 
  • Transaktionsüberwachung und -meldung: Die Überwachung von Transaktionen spielt eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Geldwäsche. Indem verdächtige Finanztransaktionen zur genaueren Überprüfung identifiziert und gekennzeichnet werden, können ungewöhnliche Aktivitäten erkannt werden. Regel- und verhaltensbasierte Analysen und die Echtzeitüberwachung sind Maßnahmen, die dazu beitragen können, verdächtige Muster zu erkennen und weitere Untersuchungen einzuleiten. 
  • Zusammenarbeit und Informationsaustausch: Finanzinstitute sind verpflichtet, Berichte über verdächtige Aktivitäten über spezielle Kanäle bei ihren jeweiligen Behörden einzureichen, wann immer es hinreichende Gründe für den Verdacht auf Geldwäsche gibt. Die Stärkung öffentlich-privater Partnerschaften ist daher eine der wichtigsten Möglichkeiten, um Geldwäsche erfolgreich zu bekämpfen. Als globales Problem erfordert Geldwäsche auch internationale Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Ländern und Regulierungsbehörden. Die Zusammenarbeit unterstützt die Ermittlungen und hilft bei der grenzüberschreitenden Aufspürung und Rückgewinnung illegaler Vermögenswerte. 

Bekämpfung der Geldwäsche zum Besseren. 

Geldwäsche stellt eine erhebliche Bedrohung für die Integrität der Finanzsysteme dar und kann schwerwiegende Folgen für die globale Sicherheit haben. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IMF) „unterliegen Länder mit schwachen AML/CFT-Regime den negativen Auswirkungen, die große internationale kriminelle Organisationen auf ihr Wirtschaftswachstum und ihre finanzielle Stabilität haben können“. 

Mit der proprietären Technologie zur Betrugsprävention von IDnow können Sie Identitätsprüfungen durchführen, um betrügerische Aktivitäten wie Kontoübernahme, Identitätsdiebstahl und Geldwäsche zu verhindern. 

Von

Red flags unraveled: How to detect money laundering. 1

Olivier Artus
Sales Director bei IDnow
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